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Chaos vs. Zwangsneurose: Hilft Askese gegen die Angst?

Weisheitslehren unterschiedlicher Zeiten und Kulturen – auch unserer eigenen – stimmen dahingehend mit moderner Naturwissenschaft überein, dass wir Teil einer „Welt“ sind, die als unendlich komplexer einmaliger Prozess abläuft – eben als Chaos oder Tohuwabohu. In einer solchen Welt wäre Leben in der bekannten Form aber nicht möglich. Daher gehört es zum evolutionären Programm des Lebens (scheinbar) Wiederkehrendes, Vorhersagbares, Geordnetes zu (er)finden. Die von uns erfasste Ordnung der Natur – sei sie durch Naturgesetze oder die Verse eines Dichtes beschrieben – ist immer eine solche (not-wendige) Reduktion, bei der eine unfassbar komplexe chaotisch Reizwelt zu einer fassbare reduziert geordneten Lebenswelt gestaltet wird. Die Angst vor dem Unvorhersagbaren, dem Chaos, wird so zwar gebannt. Doch kann diese gute und not-wendige Fähigkeit auch übertrieben werden: Eine zu starke, zu rigide, den Erfordernissen der Lebenswelt nicht mehr adäquate Reduktion nennen wir Neurose. Dieses Mittel gegen die Angst ist aber trügerisch, weil hundertprozentige Kontrolle nicht möglich ist – was besonders augenfällig bei Zwangsneurosen wird. Askese kann hingegen eine Form stimmiger Reduktion sein, wo Lebenswelt und Bedeutungswelt aufeinander abgestimmt zu einer Entängstigung beitragen können.

14:00 - 14.45


Jürgen Kriz

 
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